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Kurz vor dem Ausrasten war ich oft -und drüber auch

Zu meinen Managerzeiten konnte ich cholerisch sein - Wut, Lautstärke, Kontrollverlust. Diese Momente habe ich gehasst, aber ich konnte sie nicht zügeln oder zurückhalten. Es waren Momente wie dieser:

 

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Ich sitze in einem Meeting mit meinen Peers und meinem Vorgesetzten. Ein Raum, die Stimmung so unterkühlt wie der Raum und es wird diskutiert, hin und her, wie immer. Aber egal wie lange der Ballwechsel geht, wir kommen nicht zu einer Einigung, dabei wäre sie so einfach, denn ich habe Recht. Oder?

 

Ich bin mehr als der festen Überzeugung, dass meine Meinung stimmt, meine Argumente am schwersten tragen und ich verstehe nicht warum das schon wieder niemand sieht.

Es sind diese Momente, in denen es innerlich aufsteigt, diese Wut, diese Anspannung und Fassungslosigkeit über die Dummheit und Ignoranz der anderen gegenüber meinem Erleuchtet sein.

 

"Das ist nicht fair" - ist meist der Abschluss solcher Termine - aber nicht der Abschluss der Gedanken, die nach diesem Termin noch tagelang in mir kreisen - zusammen mit den 1000 anderen Gedanken, die bereits seit Tagen sich dort drehen aus anderen Meetings.

 

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Und jetzt ganz ehrlich - wer kennt diese Momente auch?

 

Eben, sehr viele!

 

Heute kann ich diese Worte mit meinem Schmunzeln schreiben, denn ich weiss, was wirklich hinter den Momenten steckt, wenn Menschen sich rechtfertigen, immer alles klären wollen, Recht haben müssen, nach Fairness kämpfen und nicht aufhören können zu diskutieren.


Was ich im Nachgang für mich verstehen durfte, ist, dass dieser Drang, Dinge richtigzustellen oder als „fair“ einordnen zu wollen, selten nur mit der Situation im Aussen zu tun hat.

 

Der Wunsch, recht zu haben, schützt etwas im Inneren – Selbstwert, Zugehörigkeit oder das Bedürfnis nach Kontrolle. Wird eine Situation als unfair erlebt, reagiert das Nervensystem mit Spannung. Es macht keinen grossen Unterschied, ob etwas real gefährlich ist oder sich sozial falsch anfühlt. Der Körper geht in Alarm, Gedanken werden enger, das innere Weiterargumentieren beginnt.

 

Genau hier entsteht die eigentliche Belastung. Nicht unbedingt durch das, was passiert ist, sondern durch das Festhalten daran, dass Kontrolle übernommen werden möchte. Studien zeigen, dass eine hohe Sensitivität für Unfairness mit mehr Grübeln, innerer Anspannung und geringerer Resilienz verbunden ist. Die Herausforderung ist dabei nicht Fairness als Wert, sondern die Erwartung, dass sich jede Situation sofort auflösen muss zum eigenen Wohle. Doch meist bleibt diese Spannung bestehen und damit bleibt auch das System aktiv – und genau das kostet Energie und die guten, alten Nerven.

 

Aus energetischer Sicht zeigt sich das sehr konkret. Die eigene Energie bleibt durch die Verstreuung der Aufmerksamkeit an der Situation gebunden, statt wieder frei zu werden.

 

Die Leber verliert ihren Fluss, Dinge werden innerlich und körperlich fester. Die Galle reagiert, Ärger und Wut stauen sich, auch wenn sie nicht direkt sichtbar sind.

 

Die optische Wahrnehmung verengt sich, der Blick wird enger, weniger offen für andere Perspektiven, was die Augen und Sehfähigkeit beeinträchtigt.

 

Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus stärker nach aussen – vergleichen, bewerten, einordnen – was die eigene Stabilität weiter schwächt - und die Hüfte in Schieflage bringt.

 

Im Zentrum steht meist der Selbstwert. Wenn dieser nicht stabil ist, entsteht schneller das Bedürfnis, im Aussen Recht zu behalten oder Fairness herzustellen - die Thymusdrüse blockiert, der Atem wird flach.

 

Recht zu haben fühlt sich kurzfristig ordnend an, bindet aber langfristig Energie und hält den inneren Zustand eng. Nicht die Situation selbst ist das Problem, sondern das, was innerlich daran festhält.

 

Genau dort verändert sich die Perspektive. Nicht jede Ungerechtigkeit muss beantwortet werden. Nicht jede Spannung braucht eine Auflösung im Aussen. Wenn dieser Impuls nicht permanent bedient wird, beginnt sich das System zu regulieren – und genau dort entsteht wieder Raum für eine Form von Klarheit, die nicht aus Druck entsteht, sondern aus Stabilität.


Die Cholerikerin durfte ich verabschieden. Sie ist im Ruhestand - wortwörtlich ;)

 

Ich schmunzle manchmal, wenn ich auf diese Zeit zurückblicke, wie unsicher ich war am Zenit meiner Karriere.

 

Ich bin dankbar über die Erleichterung am Tiefpunkt meiner Laufbahn.

 

Ich bin demütig für die Fähigkeit, heute Menschen gegenüber sitzen zu dürfen, die diesen Weg noch vor sich haben, aber den Mut zeigen, hinschauen zu wollen.

 

Auch wenn ich mich selten in politischen Perspektiven bewege, fällt mir immer wieder auf, wie stark sich dieses Bedürfnis nach "Recht haben" durchzieht. Wie viel Energie darauf verwendet wird, Positionen zu halten, Dinge zu korrigieren oder Fairness einzufordern, und wie wenig Ruhe dabei tatsächlich entsteht.

 

Für mich hat sich bei diesem Aspekt so vieles verschoben. Weg von diesem Anspruch, dass Dinge im Aussen zwingend richtig oder gerecht werden müssen, hin zu einer Form von Verantwortung, die näher bei mir selbst liegt.

Es ist nicht egal, was passiert, aber ich habe verstanden, dass nicht jede Spannung im Aussen gelöst werden kann, ohne dass sie im Inneren weiterarbeitet.

 

Die innere Wut abzuschalten, braucht den Blick nach innen.

Wer ihn wagt, wird nicht enttäuscht, sondern belohnt.

Wer ihn meidet, säht, was Fairness unmöglich macht.


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