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Wenn sich Arbeit verändert - Teil 2

In meinem letzten Newsletter ging es um Veränderungen innerhalb von Organisationen. Es ging darum, wie Arbeit neu organisiert wird, wie sich Zusammenarbeit verschiebt und welche Spannungsfelder dabei entstehen.

 

Parallel dazu verändert sich jedoch noch etwas anderes, das mindestens genauso tiefgreifend ist:

 

Die Art, wie Menschen ihre eigene Arbeit und ihre berufliche Stabilität gestalten.

 

Lange Zeit war auch hier vieles klar: Ein Arbeitgeber, eine Rolle, eine Entwicklung innerhalb eines Systems. Stabilität entstand durch Zugehörigkeit.

 

Dieses Verständnis löst sich immer mehr auf.

 

Zwei Entwicklungen sind dabei besonders prägend:


Selbstständigkeit & Freelance


Immer mehr Menschen arbeiten nicht mehr ausschliesslich in klassischen Festanstellungen. Sie gehen in die Selbstständigkeit, übernehmen Projekte, arbeiten als Freelancer und bauen sich eigene Angebote auf.

 

Ich selbst habe diesen Weg gewählt und kenne viele Seiten davon. Die, die man sich vorstellt, die, die man nicht sieht und die, die man nicht sehen will.

 

Diese Entwicklung wird oft als logischer Schritt beschrieben: mehr Freiheit, mehr Selbstbestimmung, mehr Gestaltungsspielraum – „endlich mein eigenes Ding durchziehen“.

 

Aber was bewegt sich da noch?

 

Ein grosser Teil dieser Veränderung entsteht nicht nur aus Klarheit oder aus der eigenen Grösse, in die man gewachsen ist. Oft entsteht die Entscheidung aus Unzufriedenheit. Menschen verlassen Systeme, in denen sie sich nicht mehr stimmig oder gesehen fühlen, und suchen in der Selbstständigkeit die Lösung.

 

Hier beginnt der entscheidende Punkt.

 

Wenn diese Entscheidung aus einer Flucht heraus getroffen wird, verändert sich am Grundprinzip nichts - im Gegenteil. Die Struktur ändert sich – das Muster bleibt - der Druck wird noch grösser.

 

Arbeit wird dann nicht leichter oder freier, sondern oft anstrengender. Mehr Verantwortung, mehr Unsicherheit, mehr Eigenleistung – und der Moment, in dem man die Verantwortung übernehmen muss, ob man will oder nicht.

 

Viele unterschätzen, was das wirklich bedeutet. Selbstständigkeit und projektbasierte Arbeit verlangen nicht nur fachliche Kompetenz, sondern die Fähigkeit, sich selbst zu führen, sich zu positionieren und mit Unsicherheit umzugehen, ohne ständig in Reaktion zu gehen.

 

Auch auf energetischer Ebene verändert sich vieles.

 

"Das Stehen auf eigenen Beinen" ist das Bild, das es am besten beschreibt:

 

  • Zwei Beine, die für die Zukunft stehen, das Zurücklassen der Vergangenheit, für die Vorwärtsbewegung im Leben

  • Zwei Füsse, die die Verankerung im Leben darstellen, das selbstbewusst Stehen im Leben

  • Die Hüfte, die in Balance ist, Stabilität gibt - egal was im Aussen passiert

  • Eine aufrechte Wirbelsäule, die die Klarheit, Überzeugung und Entschlossenheit zum eigenen Lebensweg und den eigenen Fähigkeiten symbolisiert

  • Die Thymusdrüse, die das Zentrum des eigenen Systems darstellt, den Selbstwert, die Selbstanerkennung und die innere Grösse zur Selbstreflexion

 

All das braucht es als Basis für die Unabhängigkeit, die berufliche Freiheit. Wenn die eigene Stabilität nicht mehr durch ein System unterstützt wird, darf die eigene Präsenz, die innere Stabilität und Selbstwert noch mehr mit sich selbst in Resonanz gehen.

 

Orientierung wird nicht mehr durch das Aussen unterstützt und darf stärker im Inneren gefunden werden. Das kann stärken – oder überfordern.

 

Selbstständigkeit oder Freelance ist deshalb keine automatische Lösung für Unzufriedenheit im bestehenden System. Sie verstärkt oft genau das, was bereits da ist.




Portfolio-Karrieren & Fractional Work


Eng damit verbunden ist eine zweite Entwicklung, die sich immer häufiger zeigt: Menschen bauen sich nicht mehr nur eine Rolle auf, sondern mehrere.

 

Teilzeitfunktion, Beratung, Projekte, fractionale Rollen – also klar definierte Verantwortungsbereiche in unterschiedlichen Organisationen – und eigene Angebote entstehen parallel.

 

Ein Win-Win für Mensch und Unternehmen, denn in vielen Unternehmen ist das sowohl finanziell als auch organisatorisch attraktiv. Weniger Abhängigkeiten, weniger Kosten.

 

Berufliche Identität verteilt sich damit auf verschiedene Felder, Projekte, Unternehmen – und oft auch auf mehrere parallele Rollen im Alltag.

 

Auf den ersten Blick entsteht daraus ein Gefühl von Sicherheit. Wenn ein Bereich wegbricht, tragen andere weiter.

 

Aber auch hier zeigt sich eine zweite Ebene.

 

Was nach Flexibilität aussieht, bedeutet im Alltag oft ein ständiges Wechseln zwischen Kontexten, Rollen und Erwartungen.

Viele unterschätzen, wie stark Identität immer noch an Rollen gebunden ist. Und hierbei geht es nicht zwingend um die Anteile von sich selbst, sondern um die Zugehörigkeit des Individuums zu einem Ganzen.

 

Wir Menschen sind soziale Wesen. So sehr wir lernen können, mit uns selbst im Reinen zu sein, braucht es ein Gefühl von Einbettung in ein grösseres Ganzes. Diese Zugehörigkeit trägt, nicht nur den Einzelnen, sondern auch Organisationen.

 

Selbstführung ist in diesem beruflichen Setup ebenfalls unabdingbar. Denn wer überall ist, kann auch überall Energie verlieren – nicht nur zwischen Projekten, sondern oft schon zwischen mehreren Rollen innerhalb eines Tages.

 

Unser System unterscheidet nicht zwischen 50% Anstellung und 100% - wenn das System nicht gelernt hat abzuschalten, Abstand zu halten und Energien klar zu trennen, passiert das nun nicht nur in einem Kontext, sondern in mehreren. Das Gedankenkarussell wird dadurch nicht langsamer, sondern schneller. Mehr Themen, mehr Erwartungen, mehr innere Bewegung.

 

Portfolio-Karrieren verlangen deshalb nicht nur Organisation, sondern auch Klarheit im Umgang mit sich selbst und der eigenen Energie.

 

Unterschiedliche Rollen bringen unterschiedliche Erwartungen, Dynamiken und Anforderungen mit sich. Das kann bereichernd sein – oder zu einer permanenten inneren Zerrissenheit führen, wenn keine klare innere Präsenz und Stabilität vorhanden ist.

 

Auch hier zeigt sich: Was nach Freiheit aussieht, ist gleichzeitig eine Verschiebung von Verantwortung - weg vom Aussen, hin zu sich selbst auf allen Ebenen.


Viele dieser Entwicklungen werden aktuell als rein positiv beschrieben. Mehr Möglichkeiten, mehr Freiheit, mehr Selbstbestimmung.

 

Das ist nicht falsch.

 

Aber es ist auch nicht die alleinige Perspektive.

 

Freelancing, Selbstständigkeit, fractionale Modelle und Portfolio-Karrieren verändern nicht nur Arbeitsformen. Sie verändern, wo Identität wächst, wie Verantwortung getragen oder vermieden wird und wie sehr Menschen sich selbst führen dürfen.

 

Veränderungen in der Arbeitswelt sind immer auch ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Welchen Einfluss jeder Einzelne in dieses System einbringt, entsteht nicht zufällig, sondern aus der eigenen Intention.

 

So bleibt am Ende eine Frage, die nicht delegierbar ist:

 

"Will ich das wirklich?"

Zu deinem Kenenlern-Gespräch:


 
 
 

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