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Ungewissheit halten - und trotzdem weitergehen

Ungewissheit ist für viele Menschen längst kein Ausnahmezustand mehr, sondern Teil des beruflichen Alltags. Entscheidungen bleiben offen, Rollen verändern sich, Gewissheiten tragen nicht mehr so zuverlässig wie früher. In Organisationen, in Führungspositionen, aber auch immer stärker im persönlichen Leben entstehen Phasen, in denen sich nicht sagen lässt, wie es weitergeht - und auch nicht, wann es weitergeht.

 

Die verbreitetste Reaktion darauf ist erstaunlich unspektakulär: Man macht einfach weiter. Man hält aus. Man funktioniert. Verantwortung verschwindet nicht, nur weil innere Klarheit fehlt. Also wird gearbeitet, entschieden, getragen - oft mit grosser Loyalität und Disziplin.

 

Ungewissheit wird so in solchen Phasen jedoch nicht gelöst, sondern übergangen. Sie bleibt präsent, aber unausgesprochen. Sie ist in diesen Momenten aber nicht nur ein Gedanke, sie wird zur Spannung - und zum Dauerzustand.


Viele merken erst spät, dass diese Form des Weitergehens etwas kostet. Der Schlaf verändert sich. Die innere Ruhe geht verloren. Das Nervensystem bleibt wach, auch wenn der Tag vorbei ist. Gelenke fangen an zu schmerzen, der Nacken spannt dauerhaft an und bringt einen langsam um den Verstand. Was viele als Erschöpfung erleben, ist oft der Versuch, etwas innerlich unter Kontrolle zu halten, das sich nicht kontrollieren lässt.

 

Nach aussen läuft alles, innerlich herrscht eine permanente Alarmbereitschaft, die schwer auszuhalten ist.

 

In Gesprächen tauchen dann Sätze auf wie:

"Eigentlich halte ich das gut aus."

Oder:

"Es ist halt gerade so."

 

Was dabei oft übersehen wird:

 

Der Körper hält nicht aus. Er kompensiert. Und Kompensation ist kein neutraler Zustand, sondern ein Überlebensmodus.

 

Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass Ungewissheit nicht verschwindet, wenn man stark bleibt. Meine ersten beiden Krebsdiagnosen haben mir sehr deutlich gezeigt, dass es einen Punkt gibt, an dem der Körper beginnt zu tragen, was innerlich zu lange übergangen wurde.


Ungewissheit gehört jedoch zu Übergängen. Sie ist Teil von Entwicklung, von Reifung, von echten  Veränderungsprozessen. Problematisch wird sie dort, wo sie keine innere Führung hat. Wenn sie lediglich ausgehalten wird, ohne Raum, ohne Einordnung, ohne bewusste Begleitung, verlagert sie sich - in den Körper, in Beziehungen, in Gereiztheit, Rückzug oder Erschöpfung.

 

Viele Menschen reagieren erst dann, wenn es kippt und der Schmerz - emotional oder körperlich - zu gross wird. Wenn Symptome deutlicher werden oder Beziehungen unter der ständigen inneren Anspannung kaputt gehen. Dabei liesse sich vieles früher wahrnehmen - denn man muss nicht allein bleiben mit der Ungewissheit.

 


Mein Leben hat mir in diesen 39 Jahren gezeigt was Übergänge alles sind - und wie unterschiedlich man mit ihnen umgehen kann. Deshalb arbeite ich so gerne mit Menschen, die sich genau in solchen Übergängen befinden. Menschen, die Verantwortung tragen, während vieles offen ist, und die spüren, dass das blosse Aushalten nicht die Lösung ist.

 

Übergänge und die damit verbundenen Ungewissheit brauchen Raum, um weder krank zu werden noch kaputt zu machen, was bleiben soll.

 

Wenn du merkst, dass du im Moment viel trägst, wenig weisst und trotzdem jeden Tag weitergehst, dann darf das gesehen werden. Denn Ungewissheit ist kein Problem, das gelöst werden muss. Es ist ein Zustand, der Aufmerksamkeit braucht. Ungewissheit wird leichter, wenn man sie nicht mehr allein halten muss.

 

 Informationen zum Einzel Mentoring im kostenlosen und persönlichen Gespräch:



 
 
 

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