GO DIGITAL, GO.... LIFE OR SICK?
- Anne Müller
- 19. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Ich sitze in Unternehmen und beobachte Menschen, die während Meetings gleichzeitig Mails beantworten, Chatnachrichten lesen, kurz aufs Handy schauen und dabei überzeugt sind, voll präsent zu sein.
Sie machen es nicht aus Ignoranz oder Respektlosigkeit - im Gegenteil. Es ist der gute Ton geworden, weil genau das für viele längst normal ist.
Digitaler Stress wird bis heute massiv unterschätzt, weil er selten so eindeutig spürbar ist wie klassischer Stress und häufig anderen Ursachen zugeordnet wird. Niemand sitzt schliesslich schweissgebadet vor dem Laptop oder nennt es automatisch Überforderung, wenn zwischen zwei Meetings noch schnell fünf Mails beantwortet, drei Nachrichten gelesen und kurz die News gecheckt werden.
Genau darin liegt das Problem.
Was wir heute als normalen Arbeitsalltag akzeptieren, ist für das menschliche System alles andere als normal.
Der Mensch ist ein organisches System. Unsere Wahrnehmung, unsere Regulation, unser Nervensystem und unsere gesamte körperliche Anpassungsfähigkeit sind auf natürliche Rhythmen ausgelegt: Auf Fokus und Entspannung, auf Reiz und Verarbeitung und auf Aktivität und Regeneration.
Die digitale Welt funktioniert nach anderen Prinzipien.

Sie ist schnell, permanent verfügbar, fragmentiert Aufmerksamkeit, unterbricht Prozesse, fordert ständige Anpassung und produziert eine Informationsdichte, für die unser biologisches System keinen natürlichen Referenzwert hat. Digitaler Stress beginnt nicht erst auf mentaler Ebene, sondern deutlich früher.
Er beginnt auf der energetischen Ebene, denn aus energetischer Sicht leben wir in einem permanenten Resonanzkonflikt.
Alles in unserem Leben steht in Resonanz zueinander. Menschen untereinander. Räume mit Menschen, Systeme mit ihrer Umgebung. Resonanz ist ein physikalisches Prinzip, kein spiritueller Wunschgedanke.
Was sich verändert hat, ist die Art der Frequenzen, mit denen wir uns heute nahezu ununterbrochen umgeben. Der Mensch ist auf organische Resonanz ausgelegt. Auf natürliche Rhythmen, echte zwischenmenschliche Co-Regulation, körperlich erfahrbare Präsenz und biologische Wechselwirkungen.
Digitale Systeme funktionieren anders. Technische Reize und ihre Frequenzen folgen keiner organischen Logik. Unser System kann diese Form permanenter künstlicher Reizung nicht auf dieselbe Weise integrieren, verarbeiten oder gar verstehen.
Die Folge ist nicht zwingend sofort sichtbar, aber spürbar.
Das Nervensystem bleibt wachsamer, die innere Grundanspannung steigt und die Aufmerksamkeit verteilt sich permanent in Fragmente, statt sich zu sammeln und Informationen verarbeiten zu können. Das System sendet Signale, die übergangen werden: Müdigkeit, Augenbrennen, Gereiztheit, innere Unruhe, Konzentrationsabfall.
Leider gelten genau diese Symptome heute oft als normaler Preis für Produktivität.
Denn jedes Mal, wenn unser Körpersystem mit uns reden möchte und wir es ignorieren, entsteht auch eine innere Botschaft:
Digitaler Stress ist deshalb nicht nur ein individuelles Problem schlechter Gewohnheiten. Er ist Ausdruck einer Arbeits- und Lebenswelt, in der man erwartet, mit technologischer Geschwindigkeit zu funktionieren, obwohl das biologische System dafür nie gebaut wurde.
Und nein, Digitalisierung, Automatisierungen und AI-Entwicklungen sind nicht das Problem.
Unser Umgang damit ist es.
In meiner Arbeit ist deshalb ganz klar: Nur neue Tools einzuführen oder Mitarbeitende effizienter machen zu wollen, funktioniert nicht.
Genau dort setze ich in Workshops für Unternehmen an. Genau dort beginnt auch persönliche Veränderung.
Nicht jede Erschöpfung ist ein Zeitproblem, nicht jede Gereiztheit ein Charakterthema und schon gar nicht jede Konzentrationsschwäche mangelnde Disziplin im Alltag.
Manchmal ist es schlicht ein ganzes System, das viel zu lange gegen seine eigene Natur gearbeitet hat.
Digitaler Stress ist längst kein Randthema einzelner Menschen mehr. Er betrifft Individuen genauso wie ganze Teams.
Der Blick von aussen schafft dort Klarheit, wo der eigene Normalzustand längst blind gemacht hat.
Wenn du diese Stresslevel nicht länger als Normalzustand akzeptieren willst, dann lass uns sprechen.





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